Diebstahlssicherung in Pankower Bibliotheken II

Kleine Anfrage: KA-0437/VI

BV Matthias Zarbock, Linksfraktion

Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:

  1. Bezug nehmend auf die Auskunft des Bezirksamtes (Antwort auf die Kleine Anfrage 0427/VI): »Wäre der zusätzliche Einsatz von Sicherheitskräften wünschenswert, um bereits jetzt das bibliothekarische Personal bei den stetig zunehmenden Konfliktsituationen mit Publikum zu unterstützen«?
  2. Warum liegen dem Bezirksamt »keine Informationen« (Antwort auf die Kleine
    Anfrage 0427/VI) zur Höhe der Kosten des Einbaus von Buchsicherungsanlagen in zwei Stadtbibliotheken Pankows vor?
  3. Teilt das Bezirksamt die Einschätzung mehrerer Sachverständiger (aufgrund umfänglicher Erfahrungen aus anderen Städten), eine Diebstahlssicherung per RFID sei bei einigen Medien (wie zum Beispiel CD, DVD, Spiele mit mehreren Teilen, Beilagen, Landkarten, Schnittmuster) nur bedingt oder nur mit erheblichem Aufwand möglich?
  4. Wie beurteilt das Bezirksamt die Gefahr, dass über die bisherigen Planungen hinaus, wie auch bereits in anderen deutschen Städten geschehen, die zusätzliche Einführung eines RFID-Benutzerausweises zu einem späteren Zeitpunkt, also erst nach der unmittelbaren Einführungsphase geschehen wird?
  5. Wie hat das Bezirksamt die MitarbeiterInnen der Stadtbibliothek Pankow bis zum jetzigen Zeitpunkt über die Anwendung der RFID-Technologie im Bibliotheksbereich informiert, bzw. - wenn bisher noch nicht geschehen - wann und wie beabsichtigt das Bezirksamt, diese Information (unabhängig von späteren Schulungen) durchzuführen?
  6. Die Fachliteratur beschreibt Erfahrungen anderer mit RFID arbeitender Bibliotheken, wonach sich nach der RFID-Einführung der Druck zur weiteren Einsparung von Personal erhöht hat. Wie beurteilt das Bezirksamt in diesem Zusammenhang die Aussage, das Personal würde durch die RFID-Technologie von repetitiven Arbeitsvorgängen befreit?

Antwort des Bezirksamts

Abt. Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung

  1. Es gilt abgestuft für die einzelnen Standorte, besonders aber für die relativ stark frequentierten Häuser, dass angesichts des Massengeschäfts besonders in den Nachmittagsstunden für die Schlichtung von regelmäßig auftretenden Konfliktfällen (z.B. Zahlung von Vertragsstrafen) nicht immer ausreichend Zeit zur Verfügung steht, weshalb die Situation leicht eskalieren kann. Als erste Reaktion darauf haben etliche Beschäftigte jetzt Fortbildungen zur deeskalierenden Gesprächsführung besucht. Wünschenswert wäre hier auf jeden Fall, über ausreichend eigenes Personal zur bedarfsgerechten und den selbst gesetzten Qualitätsstandards genügenden Betreuung zu verfügen.
     
  2. In einem Fall handelt es sich um eine bereits vor 10 Jahren vor der Bezirksgebietsreform erworbene Anlage, für die keine Unterlagen mehr verfügbar sind. Im anderen Fall konnte zwischenzeitlich seitens der Immobilienverwaltung eine Summe von € 8.155 ermittelt werden. 
     
  3. Unterstellt, dass es sich bei den Sachverständigen um Bibliotheksmitarbeiter in Bibliotheken handelt, die bereits Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Medien in RFID-Anwendung gesammelt haben, gibt es in der Tat in der Praxis einen unterschiedlichen Umgang mit der gegenüber Büchern größeren Vielfalt und der je individuellen Besonderheit der Nicht-Buch-Medien. So variiert die Vergabe der tags z.B. für eine mehrteilige CD-Box zwischen einem für das Ganze und der Beklebung jeder einzelnen Beilage.
    Als Grundtendenz zeichnet sich die Beibehaltung eines Mitarbeiterplatzes für die manuelle Verbuchung gerade für die etwas komplizierteren Fälle ab, so z.B. in München, Potsdam und auch in Hamburg; so ist es auch in Berlin geplant.
    Für Berlin gilt ferner, dass sich das Projektteam 1 ausführlich mit der Problematik beschäftigt und nach intensiver Auswertung der bisher gemachten Erfahrungen ein Verfahren vorschlagen wird, das dann im Zuge einer Richtlinie für alle VÖBB-Teilnehmer verbindlich sein wird. Ein konkretes Ergebnis hierzu liegt noch nicht vor. 
     
  4. Eine spätere Einführung eines RFID-gestützten Benutzerausweises kann nicht ausgeschlossen werden. Derzeit ist dies für Berlin nicht geplant. Um die Benutzerausweise vor dem unberechtigten Zugriff Dritter zu schützen, wird wie bisher mit einer PIN gearbeitet.
     
  5. Als erster Berliner Bezirk hatte Pankow zu einer gut besuchten Informationsveranstaltung für alle Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek eingeladen, auf der die Projektleitung RFID die Grundzüge des Projektes vorgestellt und Fragen aus dem Kollegium beantwortet hat. Auf einer kürzlich durchgeführten bauseitigen Begehung aller Standorte konnten praktische Auswirkungen der RFIDTechnologie analysiert werden. Das Thema ist bei Bedarf Gegenstand interner Sitzungen. Grundsätzliche Informationen zu vielen Fragen bietet zudem das eingerichtete RFID-Portal unter www.bibliotheksportal.de im Internet.
  6. In Übereinstimmung mit den Erfahrungen anderer bereits mit RFID arbeitender Bibliotheken kann seitens des Bezirksamtes bestätigt werden, dass die Befreiung von repetitiven Arbeitsvorgängen als ein wesentlicher Effekt der RFIDEinführung angesehen wird. Angesichts der infolge des Personalabbaus zunehmenden Arbeitsbelastung (s. a. Antwort auf Frage 1) kommt daher auch aus Mitarbeiterkreisen verstärkt der Wunsch auf, die Einführung der neuen Technologie in Pankow zu beschleunigen.
    Andererseits ist natürlich die Gefahr eines weiteren Personalabbaus unter Verweis auf die Rationalisierungseffekte der RFID-Technologie nicht von der Hand zu weisen. Im Basisgutachten zum Berliner RFID-Projekt wurde die Einsparung von Mitarbeitern in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung veranschlagt. Die zuständigen Bezirksstadträte haben sich einmütig gegen eine solche „Aufrechnung“ ausgesprochen.

Dr. Michail Nelken