Diebstahlssicherung in Pankower Bibliotheken
Kleine Anfrage: KA-0427/VI
BV Matthias Zarbock, Linksfraktion
Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:
- Welche Technologie(n) sind in den Pankower Bibliotheken zur Diebstahlssicherung im Einsatz?
- Welche Investitionen wurden dazu seit der Bezirksfusion aufgewandt?
- Wie beurteilt das Bezirksamt die Möglichkeit und den Aufwand für eine zerstörungsfreie Umstellung der Medien bei der eventuellen Einführung von RFID in Bibliotheken?
- Wie hoch schätzt das Bezirksamt die Kosten der Einführung von RFID-Diebstahlssicherungstoren in Pankow ein?
- Wie beurteilt das Bezirksamt die Effektivität des bestehenden Diebstahlssicherungssystems und welche Erwartungen sind mit der Diebstahlssicherung per RFID verbunden (positiv wie negativ)?
Antwort des Bezirksamts
Abt. Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung
- Die Auskunft kann nur zur Stadtbibliothek Pankow gegeben werden, zu anderen Pankower Bibliotheken ist nichts bekannt. Im Einsatz sind so genannte Buchsicherungsanlagen, bei denen ein im Buch oder anderen Medien enthaltene Magnetstreifen bei den Buchungsvorgängen entsichert (Ausleihe) bzw. wieder aktiviert wird (Rückgabe).
- Die Janusz-Korczak-Bibliothek und die Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek erhielten mit ihrem Umzug in die neuen Häuser jeweils Buchsicherungsanlagen der Fa. ADT Sensormatic, desgleichen die Heinrich Böll-Bibliothek. Zur Höhe der Kosten liegen keine Informationen mehr vor.
- Bei der RFID-Einführung ist es nicht geplant, Medien umzustellen; diese sollen vielmehr an ihrem Platz bleiben. Was den Einsatz der so genannten tags auch zum Zwecke der Mediensicherung anbelangt, so werden diese zusätzlich auf die Medieneinheit geklebt, weshalb es zu keiner mechanischen Beeinträchtigung der Medien z.B. durch Abkratzen der Strichcodeetiketten kommt. Aufgrund umfänglicher Erfahrungen aus anderen Städten mit dem inzwischen flächendeckenden Einsatz der RFID-Technologie sind die technischen Probleme des Systemwechsels inzwischen auf ein Minimum reduziert.
- Bei der Einführung von RFID-Technik gibt es keine separate Diebstahlsicherung wie jetzt mehr, vielmehr werden Verbuchung und Sicherung in einem Vorgang gleichzeitig erledigt. Mithin kann der Kostenaufwand für Diebstahlsicherung rechnerisch nicht isoliert werden. Aufgrund des sich rasant entwickelndes RFIDMarktes können die aktuellen Preise derzeit nur schwer kalkuliert werden. Eine 2006 im Zuge eines Gutachtens für Berlin ermittelte Summe geht von € 9.500 pro Bibliotheksstandort für RFID-Tore aus, d. h. für die Stadtbibliothek Pankow wären dies € 76.000. Die aufgrund einer 2009 erfolgenden europaweiten Ausschreibung zu ermittelnden Preise werden in Anbetracht der zunehmenden Marktkonkurrenz deutlich darunter liegen, zumal auf Grund eines gemeinsamen Auftrages aller VÖBB-Teilnehmer mit erheblichem Preisnachlass zu rechnen ist. Von der Kaufsumme sind dann noch die entfallenden Kosten für den anstehenden Ersatz der bestehenden Anlagen abzuziehen.
- Da wegen der Personalknappheit in der Stadtbibliothek keine Bestandsrevision durchgeführt werden kann, ist eine objektivierbare Effektivitätseinschätzung, auch durch den Vergleich mit Werten vor der Einführung der Buchsicherung, nicht möglich. Erfahrungen belegen allerdings, dass unabhängig von der eingesetzten Technologie ein akustisches Signal via soziale Kontrolle abschreckende Wirkung hat. Andererseits wird bei ausreichend vorhandener krimineller Energie auch trotz Sicherungsanlage ein Diebstahlsversuch unternommen.
Mit der RFID-Einführung ist insofern die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation verbunden, als auch die bislang ohne Mediensicherung arbeitenden kleinen Häuser mit einer Buchsicherung ausgestattet werden. Die Fachliteratur beschreibt Erfahrungen anderer mit RFID arbeitender Bibliotheken, wonach sich nach der RFID-Einführung die Schwundquote nicht verändert hat.
Unabhängig vom Mediensicherungssystem wäre der zusätzliche Einsatz von Sicherheitskräften wünschenswert, um bereits jetzt das bibliothekarische Personal bei den stetig zunehmenden Konfliktsituationen mit Publikum zu unterstützen.
Dr. Michail Nelken
