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Spuren der Kolonialgeschichte in Pankow

Kleine Anfrage: KA-1099/VIII

BV Matthias Zarbock, Linksfraktion

Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:

  1. Sind dem Bezirksamt Straßen im Bezirk Pankow bekannt, die einen deutlichen Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte haben (wenn Ja: bitte nennen und sehr kurze Erläuterung geben)?
  2. Sind dem Bezirksamt Orte, Gebäude oder Institutionen bekannt, die einen deutlichen Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte haben (wenn Ja: bitte nennen und sehr kurze Erläuterung geben)?
  3. Welche Aktivitäten unternimmt das Bezirksamt, um Spuren der deutschen Kolonialgeschichte in Pankow sichtbarer zu machen und damit zur Auseinandersetzung mit diesem Aspekt der deutschen Geschichte anzuregen bzw. die Auseinandersetzung damit voranzutreiben?

Antwort des Bezirksamts

Abt. Stadtentwicklung und Bürgerdienste

Zu 1.-3.:

Um die Kleine Anfrage beantworten zu können, bedarf es aufwendiger Recherche, was mit der Einholung von Zuarbeiten anderer Fachabteilungen aus dem Bezirksamtes verbunden ist.

Das Museum Pankow hat zur Bearbeitung des Themas Mittel aus dem Bezirkskulturfonds 2021 der Senatsverwaltung für Kultur und Europa beantragt.

Es ist beabsichtigt, damit bis 2024 das koloniale Erbe regionalgeschichtlich für den Bezirk Pankow und seine 13 Ortsteile zu erforschen und zu vermitteln. In einem ersten Schritt ist beabsichtigt, nach biografischen Spuren zu suchen, wirtschaftliche Verflechtungen zu recherchieren und koloniale Alltagspraxen zu ermitteln. Neben der Recherche nach historischen Quellen, liegt das Interesse ebenso auf der Rezeption dieses Themas bis in die Gegenwart, etwa im Straßenbild, der Kunst, oder verschwundenen Orten und Ereignissen im Zusammenhang mit kolonialen und postkolonialen Traditionen und Alltagspraxen.

Konkret werden sich die ersten Recherchen auch mit der Geschichte des Museumsstandortes in der Heynstraße beschäftigen. Fritz Heyn, Erbauer des Wohnhauses, in welchem sich die Museumswohnung befindet, handelte Jahrzehnte mit Stuhlrohr und erwarb hiermit seinen Reichtum.

Eine andere Recherche wird sich auf die Familie des Schiffsreeders Gustav Adolf Schön (1834-1889) konzentrieren, der aus den Einnahmen seiner kolonialen Aktivitäten in Übersee große Teile des ehem. Rittergutes Weißensee erwarb und damit der späteren Bodenspekulation Vorschub leistete.

Die jetzt zu leistende Vorrecherche bildet den Grundstock für die spätere Vermittlung. In Abhängigkeit von dem Befund, plant das Museum unterschiedliche Präsentationsformen.
Die Forschungen finden in einem Verbund der Berliner Regionalmuseen statt und bilden einen Beitrag zu stadtweiten Auseinandersetzung mit dem Fokus auf konkrete lokalhistorische Beispieldarstellungen.
Von diesem Hintergrund kann eine detailliertere Beantwortung zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch das Bezirksamt leider noch nicht erfolgen.


Vollrad Kuhn
Bezirksstadtrat