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34. Tagung der BVV

Drs. VIII-1207

Gedenken an Dieter Eich

Gemeinsamer Antrag der Linksfraktion und der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen für Bürger*innen


Die BVV möge beschließen:

Anlässlich des 20. Todestages von Dieter Eich, werden die zuständigen Stellen im Bezirksamt ersucht, am oder vor dem Haus der Walter-Friedrich-Straße 52, in dem Dieter Eich in der Nacht vom 23.05 auf den 24.05.2000 im Stadtteil Buch von Neonazis brutal ermordet wurde, eine Gedenktafel anzubringen. Um in geeigneter Weise seiner Ermordung zu Gedenken und auf den rechtsradikalen Hintergrund der Tat hinzuweisen ist u.a. die Initiative »Niemand ist vergessen!« und die »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten« (VVN-BdA) einzubinden, die seit Jahren die Gedenkveranstaltungen organisieren. Die Umsetzung soll spätestens am 24. Mai 2021 abgeschlossen sein. Ein Eigenanteil kann dazu geleistet werden.

Begründung:

Dieter Eich wurde in der Nacht vom 23. zum 24. Mai 2000 in seiner Wohnung brutal von Neonazis ermordet. Diese feierten im Haus eine Wohnungseinweihung, wobei sie rechtsradikale Musik hörten und rechte Parolen riefen. Während ihrer Feier fassten sie den Entschluss einen »Assi auf[zu]klatschen«.1 Der 60 jährige Sozialhilfeempfänger Dieter Eich, der nach dem Tode seiner Frau eine schwere Lebenskrise durchlebte und in der Nachbarschaft als »Alki« angesehen wurde, war ihnen ein gefundenes Opfer.

Sie drangen in seine Wohnung ein und fügten ihm lebensbedrohliche Verletzungen zu. Da sie im Anschluss Angst bekamen, Eich könnte sie erkannt haben, kehrten sie nach der Tat noch einmal zurück und töteten ihn mit einem Stich ins Herz und versuchten anschließend die eigenen Spuren zu verwischen. Der Haupttäter war später der Ansicht, wenn »man so einen aufklatschen würde, täte man etwas fürs Volk«.2 Die Täter waren der rechten Szene zugehörig und gaben dies gegenüber Polizeibeamten nach der Tat auch so an. So nahmen sie unter anderem an Kameradschaftsabenden und an anderen Aktionen in der Neonazi-Szene teil.3 Nach einer aufwändigen Untersuchung der Technischen Universität Berlin mit dem Titel »Klassifikation rechter Tötungsdelikte« 2018, wurde der Mord an Dieter Eich offiziell als rechte Tat anerkannt. Seitdem wird er in der Statistik rechter Morde der Bundesregierung geführt.4 Die Tat ist im Großbezirk Pankow der einzige öffentlich bekannte rechtsmotivierte Mord, seit 1989. Bisher gibt es jedoch kein Gedenkzeichen für ihn im öffentlichen Raum. Netzwerke und Gedenkinitiativen rechter und rassistischer Gewalt fordern daher seit Jahren eine Gedenktafel am Wohnhaus von Dieter Eich anzubringen. Eine solche Gedenktafel als Erinnerung an Dieter Eich und die Tat sowie als Mahnung den Anfängen von Ausgrenzung, Entwertung und Menschenverachtung zu währen, ist 20 Jahre nach der schrecklichen Tat mehr als überfällig. Die Erinnerung an diesen Mord soll auch zukünftigen Generationen zeigen, wohin eine menschenverachtende Ideologie führen kann.


1 Sabine Deckwerth:»Rechte Jugendliche wegen Mordes verurteilt«, Berliner Zeitung, 03.03.2001

2 Beglaubigter Urteilsspruch des Landgerichtes Berlin, 10. Oktober 2001, S. 9., Absatz 2

3 Plutonia Plarre: »Nach dem Blutbad gab`s Kakao«, TAZ, 02.03.2001 http://www.taz.de/dx/2001/03/02/a0184.1/text

4 Der Mord an Dieter Eich. Hergang, juristische Bewertung und gesellschaftlicher Umgang mit dem Mord in Buch http://berlin.niemandistvergessen.net/363/der-mord-an-dieter-eich/