Linksfraktion Pankow
Bericht 35. Tagung der BVV Pankow am 10. Dezember 2025
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Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Vorweihnachtszeit hat begonnen und die Bezirksverordnetenversammlung Pankow traf sich am Mittwoch, den 10. Dezember 2025, zu ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr. Die Tagesordnung war vergleichsweise überschaubar und wurde dementsprechend noch am gleichen Abend vollends abgearbeitet. Wir freuen uns insbesondere über die breite Zustimmung der BVV zu unserem Dringlichkeitsantrag zur Pratergalerie und zum Beschluss unseres Antrags für Aussteigerprogramme für Jugendliche in rechten Gruppierungen aus dem Sommer. Mehr dazu in dieser Ausgabe.
Leider gibt es aber auch von ein paar Tiefpunkten zu berichten. Vorab hatten wir bereits die “überraschend aufgetauchte” Kürzung von 5000€ bei Gewaltschutz- und Gleichstellungsprojekten kritisiert, die ausgerechnet am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November mit den Stimmen von Grün-Schwarz-Gelb und SPD im Gleichstellungs-Ausschuss beschlossen wurde. In der Sitzung am Mittwoch nochmal von Oskar Lederer, Sprecher für Antidiskriminierung unserer Fraktion, darauf angesprochen, verteidigte sich Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch (Bündnis 90/Die Grünen), indem sie bestritt, dass es sich um eine Kürzung handelte, da das Geld ja nie da gewesen sei, vielmehr sei es ein buchhalterischer Fehler einer Mitarbeiterin ihres Büros gewesen! Da schlafen wir natürlich beruhigt: Kürzungen sind keine Kürzungen, wenn man das Geld nie hatte, also alles wie gehabt?!
Die endgültige Beerdigung unseres Antrags zum Schutze der sozialen Infrastruktur Pankows aus der Juli-BVV durch Grün-Schwarz-Gelb in der Sitzung passte zu der zur Schau gestellten Einstellung.
Wir sehen: Es gibt genug, wofür wir auch im kommenden Jahr kämpfen müssen, um eine bessere Welt möglich zu machen. Darin und in allem anderen bleiben wir uns treu und Sie, liebe Leserinnen und Leser, hoffentlich uns.
Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern frohe Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Wir lesen uns wieder nach der ersten Sitzung im neuen Jahr – am 28. Januar 2026.
Bis dahin wünscht wie immer viel Spaß beim Lesen
Ihre Newsletter-Redaktion
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Jamaika beerdigt den Pankower Konsens endgültig
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Trauriger Abgesang? – Nein, wir kämpfen weiter!
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Wir erinnern uns: In der Juli-BVV stand die soziale Infrastruktur Pankows im Mittelpunkt: Angesichts massiver Kürzungspläne von Senat und Bezirksamt warnte die Linksfraktion gemeinsam mit über 80 Trägern und Initiativen vor existenziellen Folgen für Jugendhilfe, Gleichstellung, queere* Projekte sowie Angebote für Geflüchtete und Migrant*innen. Unsere beiden „Pankow bleibt unkürzbar“-Anträge zielten darauf, den aus früheren Konsolidierungen bekannten Pankower Konsens – das in Zeiten knapper Kassen bei Jugend und Soziales nicht gespart wird – zu verankern und den Bezirk zu einem Haushalt nach politischen Prioritäten statt technokratischer KLR-Logik zu verpflichten. Zwar stimmte die BVV dem ersten der beiden Anträge, eingereicht zusammen mit den Trägern, zu, doch die Jamaika-Mehrheit überwies den entscheidenden zweiten Antrag, der sich konkret an das Bezirksamt richtete und eine Bekenntnis zum Konsens einfordert, in die Ausschüsse – ein fragwürdiges Signal für die damals anstehenden Haushaltsverhandlungen und für all jene Einrichtungen, die längst am Limit arbeiten und deren Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar ist.
Die Haushaltsverhandlungen sind inzwischen vorbei – mit einem desaströsen Ergebnis (wir berichteten) –, in der BVV am 10. Dezember lag aber unser Antrag den Bezirksverordneten nach Beratung in den Ausschüssen wieder vor. Im Finanzausschuss hatte Grün-Schwarz-Gelb bereits gezeigt, dass sie jede Festlegung des Bezirksamt auf den Pankower Konsens als “einengend” bei den Verhandlungen mit dem Senat blockieren würden. In der Debatte am vergangenen Mittwoch wurde das zumindest von der CDU auch offen ausgesprochen, während ihre grünen Zählgemeinschaftspartner dazu schwiegen. Zudem sei die Haushaltsplanaufstellung ja nun erfolgt, so das Argument aus den Reihen Jamaikas.
Maria Bigos, Fraktionsvorsitzende und haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion, konterte, dass ein Haushaltsplan noch keine Durchführung sei: “Das ist mitnichten erledigt! Uns fehlen nach wie vor 307.000€ für Jugendförderung. Ungeklärt sind auch weiterhin die Tarifmittel für freie Träger. Da sind alles Finanzierungslücken, die uns drücken.” Pankow geht außerdem in die Konsolidierung durch den Senat, warnte Bigos: “Wir wissen noch nicht, was das Land von uns abverlangen wird, gerade deswegen wollen wir weiterhin die Festlegung auf den Konsens.”
Die Mahnungen blieben jedoch ungehört. Weitere Debattenbeiträge gab es nicht und mit ihrer Mehrheit begruben Grün-Schwarz-Gelb still unseren Antrag. Es wird immer deutlicher, dass ohne deutlich veränderte Mehrheitsverhältnisse kein Schutz unserer sozialen Infrastruktur möglich ist.
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Pratergalerie sicherstellen!
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Die BVV Pankow hat am 10. Dezember mit großer Mehrheit unseren Dringlichkeitsantrag zum Fortbestand der Pratergalerie beschlossen. Damit verpflichtet sie das Bezirksamt, endlich einen Nutzungsvertrag mit der BIM abzuschließen, um die kommunale Galerie im Prater nach Jahren der Sanierungsperspektive wieder zu eröffnen. Warum der zuständige Stadtrat Jörn Pasternack (CDU) diesen längst überfälligen Schritt bisher nicht gegangen ist, blieb auch in der Debatte unbeantwortet – ebenso die Frage, warum Informationen zum Prozess eher über die Presse als über Ausschüsse und BVV fließen.
Unser kulturpolitischer Sprecher Jurik Stiller hob die zentrale Bedeutung der Pratergalerie als bezirkliche Kultureinrichtung hervor und betonte, dass der Vertrag den dauerhaften Betrieb und die Nutzung der Räume sichern muss. Da dem Bezirk weiterhin Kosten entstehen und eine faktische Schließung ohne Beteiligung der BVV nicht hinnehmbar wäre, werden wir den Prozess eng begleiten. Die breite Zustimmung in der BVV zeigt: Pankow steht hinter seiner Pratergalerie – und wir sorgen dafür, dass sie bleibt.
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Keine Übertragung hoheitlicher Aufgaben an private Sicherheitsdienste – Öffentliche Sicherheit gehört in öffentliche Hand
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Hoheitliche Aufgaben des Bezirks gehören in öffentliche Hand – nicht zu privaten Sicherheitsfirmen. Der Einsatz privater Security im Umgang mit obdachlosen oder anderen vulnerablen Menschen gefährdet deren Rechte, schafft Unsicherheit und verschiebt soziale Probleme ins polizeiliche bzw. ordnungspolitische. Stattdessen braucht es Fachkräfte wie Sozialarbeiter*innen, die unterstützen, deeskalieren und helfen. Hintergrund ist, dass das Bezirksamt auf Anfrage unserer Fraktion bereits einräumte, im Rahmen des Berliner Sicherheitsgipfels einen privaten Sicherheitsdienst im öffentlichen Raum einzusetzen.
Ein Antrag unserer Fraktion zur BVV am Mittwoch forderte deshalb, künftig vollständig auf private Sicherheits- und Ordnungsdienste zu verzichten und stattdessen alle öffentlichen Aufgaben ausschließlich durch qualifizierte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes mit klarer Rechtsgrundlage und demokratischer Kontrolle wahrnehmen zu lassen. Maßnahmen im Rahmen der Sicherheitsgipfel-Programme sollen nur noch nach Zustimmung der BVV und vorrangig sozialräumlich und präventiv ausgestaltet werden – etwa durch Sozialarbeit, Streetwork und Gemeinwesenarbeit. So stärken wir Rechtssicherheit, Transparenz und den Schutz vulnerabler Gruppen und setzen auf nachhaltige, sozialpolitisch verantwortliche Lösungen statt kurzfristiger Privatisierung öffentlicher Sicherheit.
Die BVV überwies in die Ausschüsse für Mobilität und öffentliche Ordnung sowie für Soziales, Senior*innen und Gesundheit.
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Gemeinsam für Kinder und Jugendliche – Eine BVV-Sitzung im Jahr für die Anliegen unserer jüngsten Bürger*innen
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Außerdem forderte unsere Fraktion in einem Antrag, eine jährliche Sondersitzung der BVV Pankow ausschließlich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einzurichten. Vorbild ist die jährlich stattfindende senior*innenpolitische Sondersitzung der BVV.
In der Kinder- und Jugendlichen-BVV soll das Bezirksamt umfassend über den Stand der Umsetzung des Aktionsplans der Kinderfreundlichen Kommune sowie der Berliner Leitlinien für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt berichten und darlegen, wie Maßnahmen nachhaltig gesichert und weiterentwickelt werden. Auch die Fachausschüsse sollen jährlich beraten, wie fachübergreifende Projekte für Kinder und Jugendliche vorangebracht werden können. Die Fraktionen werden aufgefordert, themenspezifische Anträge einzubringen – von Teilhabe über Bildung bis hin zu Schutz- und Freizeitrechten. Kinder und Jugendliche selbst sollen in der Sitzung Fragen stellen und an den Debatten teilnehmen können. Damit setzt die BVV ein deutliches Signal: Kinderrechte sind Querschnittsaufgabe – und haben politische Priorität.
Gerade da es sich um eine Querschnittsaufgabe handelt, wurde die Drucksache zur weiteren Beratung in alle relevanten Fachaauschüsse überwiesen.
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Aussteigerprogramme für Jugendliche in rechten Gruppierungen und Strukturen initiieren - Angriffe abwehren - Betroffene schützen
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Rechtsextreme Gruppierungen rekrutieren gezielt Jugendliche – auch in Pankow. Unsere Fraktion hatte im Juli deshalb in einem Antrag gefordert, dass der Bezirk präventive Aussteigerprogramme aufbauen, Schutzkonzepte für Jugendfreizeiteinrichtungen entwickeln und mobile Jugendarbeit in belasteten Kiezen wie Buch und Blankenburg stärken soll. Ziel ist es, die Programme konzeptionell mit den weiteren Angeboten der Jugendhilfe zu verzahnen und ein Bündnis zu schaffen, um gefährdete Jugendliche zu unterstützen und demokratische Schutzräume zu sichern.
Die BVV hatte die Drucksache in den Ausschuss für Finanzen, Personal, Immobilien und Verwaltungsmodernisierung sowie den Kinder- und Jugendhilfeausschuss überwiesen, die den Bezirksverordneten die Annahme in der Dezember-BVV empfiehlten. Wir freuen uns, dass der Antrag, trotz irrlichternder Beiträge der AfD – die sich als verlängerter parlamentarischer Arm des Rechtsextremismus zurecht angesprochen fühlte – eine breite Mehrheit fand.
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Richtlinien zum Umgang mit Systemen künstlicher Intelligenz erarbeiten
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Künstliche Intelligenz erfährt zurzeit einen enormen Aufschwung und wird viel diskutiert. In der breiteren Bevölkerung sind KI-basierte Systeme insbesondere durch Large Language Models (LLM) wie ChatGPT angekommen und im Alltag etabliert. KI-basierte Technologien versprechen Entlastung und Effizienzsteigerung, entsprechend kommen sie vereinzelt bereits in der Verwaltung zum Einsatz, vielerorts wird ihr Einsatz erwogen.
Es ist daher höchste Zeit, dass für die bezirkliche Verwaltung verbindliche Richtlinien für den Einsatz KI-gestützter Systeme entwickelt und die Mitarbeitenden über Risiken aufgeklärt werden. Auch ethische Gesichtspunkte wie der hohe Ressourcenverbrauch durch KI-Systeme sollten miteinbezogen werden.
In der Sitzung am 2. April hatten wir daher beantragt, dass das Bezirksamt mit der Erarbeitung von Richtlinien zum KI-Einsatz in der Pankower Verwaltung beginnen und sich auf die Schulung von Mitarbeitenden vorbereiten soll. Die BVV überwies den Antrag zur weiteren Beratung in die Ausschüsse für Finanzen, Personal, Immobilien und Verwaltungsmodernisierung und für Kinder- und Jugendhilfe, am vergangenen Mittwoch lag er den Bezirksverordneten wieder vor. Alle Fraktionen außer Die Linke stimmten gegen die Initiative, die damit keine Mehrheit fand.
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Sitzung (C) der Linksfraktion in der BVV Pankow
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35. Tagung der BVV Pankow im Bezirksverordnetensaal (Bezirksamt Fröbelstraße 17, Haus 7)
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Sitzung (A) der Linksfraktion in der BVV Pankow
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