Substanz der Einsparvorschläge Kultur (IV)
Kleine Anfrage: KA-0037/VII
BV Matthias Zarbock, Linksfraktion
Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:
- Mit welchen Mengenverlusten rechnet das Bezirksamt bei einer Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße?
- Mit welchem Budgetverlust rechnet das Bezirksamt bei einer Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße?
- Welche Einsparungen ergäben sich für den Haushalt des Bezirkes durch die Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße hinsichtlich IKT und Personal?
- Trifft es zu, dass für den Fall der Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße die Rückzahlung von Fördermitteln droht?
- Welche Kündigungsfrist/ Laufzeit des Mietverhältnisses der Räume des Museumsstandortes in der Heynstraße gilt?
- Existieren Bindungen in Folge von Investitionen für den Museumsstandort in der Heynstraße?
- Welche Bedeutung misst das Bezirksamt dem Museumsstandort in der Heynstraße hinsichtlich des kulturgeschichtlich bedeutsamen Ensembles aus Raum und Möblierung am historischen Standort zu?
- Teilt das Bezirksamt hinsichtlich der Einzigartigkeit dieses Museums die Einschätzung, dass eine Verlagerung der Präsentation der Einrichtung keinen Ausgleich für den Verlust durch die Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße 8 darstellen würde?
- Lässt die Betrachtung der geringen Einspareffekte bei der Schließung des Museumsstandortes in der Heynstraße den Schluss zu, dass durch den Verlust des Objektes ein großer Schaden entstehen würde, der in keinem Verhältnis zu den erreichbaren Einsparungen stünde?
Antwort des Bezirksamts
Abt. Verbraucherschutz, Kultur, Umwelt und Bürgerservice
zu 1.
Die Angebotsstunden betrugen im Jahre 2011 insgesamt 1152.
zu 2.
Bei o. g. Angebotsmenge ergibt sich ein fiktives Budget (Menge X Median 2011, nur für diesen Standort) von € 79.511 für 2013.
zu 3.
Durch eine Schließung des Museumsstandortes ergebe sich hinsichtlich der dort zeitweise eingesetzten Mitarbeiterin kein Effekt, da die betreffende Kollegin dort während der Öffnungszeiten an zwei Werktagen in der Woche neben der technisch-organisatorischen Betreuung und der Durchführung von Besucherbetreuungen sowie der Vorbereitung und Durchführung thematischer Veranstaltungen ebenfalls ergänzend zu den drei Nichtöffnungszeiten Arbeitsaufgaben im Bereich Verwaltung, Sekretariat und Öffentlichkeitsarbeit für das Museum Pankow insgesamt erledigt.
Der IKT-Kostenanteil beträgt für den Standort in der Heynstraße (2010) € 51.705.
zu 4.
Im Rahmen von Instandsetzungs-, Freilegungs- und Rekonstruktionsarbeiten wurden Fördergelder des Landesdenkmalamtes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Hauseigentümers in einer Gesamthöhe von € 43.703 eingesetzt. Als Voraussetzung für die Förderung galt u.a. auch die Zugänglichmachung des Denkmals als museale Einrichtung. Inwieweit sich hier im Falle einer Nutzungsänderung mögliche Rückzahlungsverpflichtungen ergeben, wird z.Zt. geprüft.
zu 5.
Der gültige Mietvertrag endet am 31.05.2016.
zu 6.
Siehe Punkt 4
zu 7.
Bei dem Museumsstandort in der Heynstraße handelt sich für Berlin um einen einzigartige Präsentation großstädtischen, bürgerlichen Lebens um 1900 an einem authentischen Ort. Durch einen glücklichen Zufall auf Initiative des Nestors der Bezirksgeschichtsarbeit in Pankow, Rudolf Dörrier, gelang es, Anfang der 1970er Jahre die beiden repräsentativen Räume in der Beletage, den Salon und das Herrenzimmer, in dem Zustand aus der Erbauungszeit Ende des 19. Jahrhundert incl. der Möblierung zu erhalten und als Stadtbezirkschronik Pankow der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch mit der Privatisierung nach 1990 und dank der Unterstützung des neuen Hausbesitzers konnte dieses Kleinod erhalten und nach der Bezirksfusion als Außenstelle des Museums Pankow profiliert werden. Heute zeigt das Museum neben den historisch überlieferten Ausstellungsräumen in Sonderausstellungsräumen thematische Sonderausstellungen zum großstädtischen, bürgerlichem Leben mit konkretem Bezug zu der Geschichte des Wohnhauses Heynstraße 8 und eder Wohnumgebung. Dieses Konzept findet von Jahr zu Jahr zunehmenden Zuspruch. Die Besucher, darunter u.a. viele Schulklassen, kommen aus Pankow, anderen Bezirken und auch von auswärts, um sich dieses authentische Zeugnis und die thematischen Präsentationen anzuschauen. 2011 gab es insgesamt 3.563 Besucherinnen und Besucher und 86 Führungen. Erwähnung finden sollte an dieser Stelle auch, dass im Zuge der inhaltlichen Umprofilierung dieses Museumsstandortes als inhaltliches Pendant zu dem hier gezeigten bürgerlichen Leben um 1900 im Ortsteil Prenzlauer Berg am Helmholtzplatz im Wohnhaus Dunckerstraße 77 - wiederum in einer typischen Wohnung - die dortigen, u.a. proletarischen und kleinbürgerlichen Lebens- und Arbeitsverhältnisse um 1900 in einer Ausstellung inmitten musealisierter Wohnräume präsentiert werden können. Beide Angebote beziehen sich aufeinander und thematisieren regionalhistorisch kontextualisiert für die beiden (Alt-)Bezirke Pankow und Prenzlauer Berg typische Lebens- und Arbeitsverhältnisse um 1900. Beide Ausstellungen stellen damit ein gemeinsames Ausstellungs- und Bildungsangebot dar.
In einem Gutachten des Landesdenkmalamtes vom 11.03.1993 unterstreicht der Abschnitt „Erhaltungsinteresse der Allgemeinheit“ das öffentliche Interesse an diesem öffentlich zugänglichen Denkmal und formuliert: „Eine museale Erhaltung der Heyn’schen Wohnung und damit die Gewährleistung des öffentlichen Zutritts steht in unbedingten Interesse der Allgemeinheit und des Denkmalschutzes“.
zu 8.
Das Besondere dieses musealen Angebots besteht in der Präsentation am authentischen Ort mit konkretem regionalgeschichtlichem Bezug. Es ist nicht möglich, dieses einmalige und didaktisch wertvolle, geschichtsvermittelnde Angebot einfach an einen anderen Ort zu verlegen und damit aus dem Kontext zu reißen. Ein (kostenloser) Ersatzstandort steht zudem nicht zur Verfügung.
zu 9.
Die Aufgabe der Heyn’schen Wohnung als museale Einrichtung für die Öffentlichkeit würde ein Verlust für die Pankower Kulturlandschaft darstellen.
Dr. Torsten Kühne
