Schließfächer für obdachlose Menschen einrichten

ArmutSozialpolitik

Drs. IX-0836

Das Bezirksamt wird ersucht, Schließfächer für obdachlose Menschen einzurichten, in denen sie auch ohne ein Handy ihre Wertsachen (Ausweis, Krankenkassenkarte, wichtige Unterlagen etc.) kostenfrei und nach Bedarfslage ohne zeitliche Begrenzung deponieren können. Zusätzlich ist zu prüfen, ob auch Schließfächer in dringlichen Lagen, für größere Habseligkeiten zur Verfügung gestellt werden können (z.B. Schlafsack, falls ein Krankenhausaufenthalt ansteht).             

Dazu sind die Erfahrungen des Bezirks Reinickendorf einzubeziehen, wo eine solche Schließfachanlage umgesetzt wurde. Die Auswahl des Ortes sollte unter Einbeziehung der Erfahrungen der aufsuchenden Straßensozialarbeitern und Straßensozialarbeiterinnen im Bezirk erfolgen. Zudem sollte eine Kooperation mit einem Träger der Obdachlosenhilfe im Bezirk angestrebt werden, um die Schließfächer zu betreuen, den Zugang zu ermöglichen (z.B. bei Verlust des Codes) und auf mögliche Schäden zu kontrollieren.

Das Projekt soll nach einigen Wochen ausgewertet werden und im zuständigen Fachausschuss vorgestellt werden, sodass eine gemeinsame Bewertung und mögliche weitere Standorte gemeinsam mit der BVV Pankow vorgenommen und geprüft werden können.

Einreichende: BV Maria Bigos, BV Maximilian Schirmer

Begründung:

Obdachlose Menschen befinden sich oft in einer Abwärtsspirale aus dem Verlust der Wohnung, dem Beruf und Schulden. Nur durch konkrete Hilfe können sie sich aus dieser Spirale befreien und Obdachlosigkeit kann langfristig überwunden werden. Oft werden betroffene Menschen in diesem Prozess aber leider zurückgeworfen. Teilweise werden in mühevoller Unterstützungsarbeit Personalausweis, Krankenkassenkarte oder anderer wichtige Unterlagen besorgt, die eine Grundlage für die Beendigung der Obdachlosigkeit darstellen. Diese Unterlagen gehen aber oft schnell wieder verloren und der Prozess beginnt von Neuem. Das kann viele Gründe haben, zum Beispiel Diebstahl der wenigen Habseligkeiten, Räumung der Lagerstätte und Entsorgung der Habseligkeiten oder der Verlust der Unterlagen. Das entmutigt nicht nur die betroffenen Personen, sondern auch die helfenden Menschen. Ergänzend zu den Maßnahmen zur langfristigen Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit würde eine sichere Verwahrung der wichtigsten Unterlagen und Dokumente nicht nur den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichtern, sondern auch alle Behördengänge, sowie die Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Wohnung.