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Germany: Jekyll and Hyde.

Zur Einweihung der Gedenk- und Informationstafel in Erinnerung an den Schuldirektor und Schulreformer Carl Louis Albert Pretzel (1864-1935) und den Journalist und Publizist Sebastian Haffner (1907-1999) an deren ehemaligem Wohn- und Arbeitsort Prenzlauer Allee 227/228

Germany: Jekyll and Hyde. Dieses Buch war ein Wendepunkt im Leben des Raimund Pretzel, das Buch, mit dem er Sebastian Haffner wurde.

Auch Wendepunkte an diesem Standort hier, in der Prenzlauer Allee, will ich kurz erinnern:

In den 1990er Jahren erfuhr der Bezirk Prenzlauer Berg massive Angriffe auf seine kommunale Infrastruktur. Heute unvorstellbar, nahmen Stadtplaner damals an, es würden nach der Sanierung hier kaum Familien mit Kindern mehr leben. Nicht nur Kitas, Bibliotheken, Einrichtungen für Senioren, Jugendfreizeiteinrichtungen, vor allem Schulen wurden geschlossen. Einrichtungen in Mietobjekten erhielten keine Perspektive, überhaupt hieß es sparen, sparen, sparen.

So stand auch dieser Standort zur Disposition, wurde als Schulstandort nach mehr als hundert Jahren aufgegeben. Eine schulplanerische Fehlentscheidung, zu der der Berliner Senat den Bezirk gezwungen hatte.

Aber vor allem dem Widerstand der Bezirkspolitiker ist es danken, dass dieser Standort an der Prenzlauer Allee dem Immobilienmarkt vorenthalten und hier ein Kultur- und Bildungsstandort aus dem Verbund von Bibliotheken, VHS und Museumsverbund errichtet werden konnte.

Das geschah zunächst eher notgedrungen, denn viele andere Standorte mussten aufgegeben werden, die Einrichtungen fanden hier erstmal Zuflucht. Und über alles kam noch die Bezirksfusion.

Ich kann nicht erinnern, wann mir bekannt wurde, wer in diesem Haus einst wohnte und auch Schüler war. Nur: dass es mir Bernt Roder berichtete. Und das halte ich noch immer für einen Glücksfall. Solch authentischer Ort. Und heute ein Ort für Bildung und Geschichte. Ausgerechnet Sebastian Haffner – das passt.

Wenn es in der BVV mitunter auch sehr strittig war, wie sich dieser kooperative Standort entwickelt, vor allem, ob und welche Ressourcen ihm dafür bereit­stehen sollen, so fand doch der Benennungsvorschlag des Amtes sofort Zustimmung. Mit Beschluss des Ausschusses für Kultur und Bildung wurde am 26.9.2007 dem Vorschlag der Namensgebung des kooperativen Standortes Prenzlauer 227 in »Kultur- und Bildungs­zentrum Sebastian Haffner« einstimmig zugestimmt.
Die Würdigung des Journalisten und Publizisten Sebastian Haffner anlässlich seines 100. Geburtstages am 27.12.2007 wurde ausdrücklich unterstützt.

Es war zehn Jahre her, dass wird dieses Kultur- und Bildungszentrum nach Sebastian Haffner benennen durften. Und das war der Grünenfraktion in der BVV Anlass für einen Antrag, doch wenigstens eine Informationstafel anzubringen, die erklärt, weshalb dieses Zentrum den Namen Haffners trägt.

Und die BVV griff diesen Antrag dankbar auf und erweiterte ihn und stellte mit ihrem Beschluss auch gesondert die erforderlichen Mittel bereit. So können wir heute – zehn Jahre nach der Benennung und aus Anlass des 20. Todestages von Sebastian Haffner – würdevoll die Tafeln einweihen, die den Publizisten und Schriftsteller Sebastian Haffner vorstellen, sein Leben voller Wechsel und Wendungen (Peter Bender), sein Werk und sein Wirken, das Geschichte machte.
Und nicht zu vergessen auch eine Tafel über den Vater Haffners, den Reformpädagogen Carl Louis Albert Pretzel, der in diesem Haus von 1908 bis 1919 Rektor der 105. Gemeindeschule für Knaben war.

Und es bleibt nicht bei diesen Tafeln. So wird heute Abend die Ausstellung »Der Verrat?! Legenden der Novemberrevolution« öffnen, die nicht zufällig die viel beachtete und sehr kontrovers diskutierte Artikelserie Haffners im »Stern« zitiert.

Ich bin sicher, es wird hier noch viele Ausstellungen geben, die Zitat bei Haffner nehmen.


 Ich habe in meinem Leben drei bedeutende Menschen gekannt:
Winston Churchill, Charles de Gaulle und Sebastian Haffner.

(David Astor, ehem. Chefredakteur und Hrsg. The Observer)

Verwandte Links

  1. Artikel in »Berliner Woche«

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