Gemeinschaftsschule für Pankow
Kleine Anfrage: KA-0168/VI
BV Anja Stiedenroth, Linksfraktion
Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:
- Welche Schulen aus dem Bezirk Pankow haben sich für die Pilotphase zur Gemeinschaftsschule beworben?
- Mit welchen Aktivitäten hat das Bezirksamt diese Bewerbungen unterstützt?
- Welche Maßnahmen sind jetzt von den Bewerbern zu realisieren, um in den Kreis der ausgewählten Schulen zu gelangen und wie unterstützt sie das Bezirksamt dabei?
- Welches eigene Konzept hat das Bezirksamt zur Entwicklung der Gemeinschaftsschule(n) im Bezirk?
- Welche Auswirkungen ergeben sich daraus auf die Schulnetzplanung im Bezirk?
Antwort des Bezirksamtes
Abt. Gesundheit, Soziales, Schule und Sport, Bezirksstadträtin
Im Namen des Bezirksamtes beantworte ich die o.g. Kleine Anfrage wie folgt:
1. Welche Schulen aus dem Bezirk Pankow haben sich für die Pilotphase zur Gemeinschaftsschule beworben?
2. Mit welchen Aktivitäten hat das Bezirksamt die Bewerbungen unterstützt?
Mit Schreiben vom 09.05.07 wurden alle Schulen des Landes Berlin durch die Senatsschulverwaltung über die Grundlagen der Pilotphase der Gemeinschaftsschule unterrichtet und zu einem Interessenbekundungsverfahren aufgerufen. Das Interesse sollte innerhalb von wenigen Wochen bis zum 22.06.07 bekundet werden. Folgende Schulen aus dem Bezirk Pankow beteiligten sich:
- Thomas-Mann Grundschule
- Grundschule am Planetarium
- Friedrich-Schinkel-Oberschule (Realschule)
- Reinhold-Burger-Oberschule (Hauptschule)
- Heinz-Brand-Oberschule (Hauptschule)
- und die Freie Schule Pankow.
Seit Herbst vergangenen Jahres wurde bei verschiedensten Anlässen und Zusammenkünften mit Schulen das Thema Gemeinschaftsschule angesprochen, um die Bereitschaft zu testen und das Interesse zu wecken. Allerdings musste die inhaltliche Begründung – Kurzkonzept – von jeder Schule selbst geleistet werden.
Kritikpunkte von Schulen, die sich nicht am Interessenbekundungsverfahren beteiligt haben, waren:
- Bereitstellung einer halben VZE Lehrerstelle wurde als zu gering erachtet,
- Der dahinterstehende Arbeitsaufwand konnte nicht gut genug eingeschätzt werden,
- Die Phase der Entscheidungsfindung wurde als zu kurz angesehen
- ungeklärte sächliche und räumliche Voraussetzungen
Bemängelt wurde zudem die fehlende Bereitschaft von Gymnasien hinsichtlich der Teilnahme an dem Pilotversuch.
Das Bezirksamt hat Unterstützung insbesondere mit der Zielstellung angeboten, Kooperationsbeziehungen zwischen Schulen zu schaffen. Allerdings gestaltete sich der Bewerbungszeitraum zu kurz, um in regelrechte Verhandlungen einzusteigen. Für viele Schulen stand auch zunächst die Bewältigung anderer Herausforderungen, die Kraft und Konzentration verlangten, im Vordergrund: bei den Oberschulen die Durchführung des mittleren Bildungsabschlusses und/oder das erste Zentralabitur, bei den Grundschulen die Vorbereitungen der Jahresendphase und die Einführung der Flexiblen Schuleingangsphase.
3. Welche Maßnahmen sind jetzt von den Bewerbern zu realisieren, um in den Kreis der ausgewählten Schulen zu gelangen und wie unterstützt das Bezirksamt dabei?
Die Bewerber haben am 04.07.07 an einer ganztägigen Info-Veranstaltung des Senats teilgenommen. Während der Sommerferien wurden die eingereichten Vorschläge durch eine von der Senatsverwaltung initiierte Projektgruppe bewertet. Das Bezirksamt hat die Senatsverwaltung regelmäßig kontaktiert, um ggf. frühzeitig von den dort gemachten Überlegungen zu erfahren und entsprechende Handlungsschritte einzuleiten. Zwischenzeitlich wurden die Schulen aufgefordert, ihre Konzepte zu konkretisieren. Ggf. wurden ihnen die für eine erfolgreiche Bewerbung noch einzuleitenden Schritte mitgeteilt. Die endgültige Bewerbungen müssen bis Ende September vorliegen.
Die jetzige Bewerbungsphase ist für eine gründliche und tiefgehende Sondierung zu kurz. Das Ergebnis der Bewerbungen in Pankow ist – vor allem was die Beteiligung von Oberschulen betrifft – nicht befriedigend. In der Konsequenz wird sich das Bezirksamt dafür einsetzen, dass die Senatsverwaltung Möglichkeiten schafft, sich in einer weiteren Runde für das Schuljahr 2009/10 zu bewerben. Dies hat die Senatsverwaltung auch zwischenzeitlich den Bezirksstadträten gegenüber zugesagt.
4. Welches eigene Konzept hat das Bezirksamt zur Entwicklung der Gemeinschaftsschule(n) im Bezirk?
Das Bezirksamt hat in enger Kooperation mit der Schulaufsicht eine eigene Interessenbekundung für ein neues Projekt in Berlin-Buch eingereicht. Allerdings wurde dieses letztlich vom Bezirksamt als derzeit nicht Erfolg versprechend und in der kurzen Zeit als nicht realisierbar eingestuft und wieder zurückgezogen.
Nach wie vor besteht die Zielstellung für das kommende Schuljahr darin, mindestens eine Gemeinschaftsschule ans Netz zu bringen. Dies bedarf bei den sich bewerbenden Schulen z.B. der Kooperation mit einer zweiten Schule oder der Zuordnung weiterer Gebäudekapazitäten, da ansonsten die notwendige Zügigkeit nicht erreicht werden kann. Außerdem ist für jede Einzelschule – auch bei Kooperationen – eine 2/3 Mehrheit der Schulkonferenz erforderlich. Dies stellt bei den Schulen, die jetzt noch im Rennen sind, die größte Hürde dar.
Das Bezirksamt ist der Auffassung, dass eine breite Zustimmung innerhalb der Schule und auch im Umfeld unabdingbar notwendig ist, um das Projekt »Gemeinschaftsschule« zum Erfolg zu führen. Andernfalls können derartige Projektschulen angesichts der konkurrierenden Situation zahlreicher Schulen auf einem flächenmäßig überschaubaren Raum in einer Großstadt wie Berlin nicht dauerhaft aus sich heraus bestehen.
5. Welche Auswirkungen ergeben sich daraus auf die Schulnetzplanung im Bezirk?
Die Ergebnisse der Bewerbungsphase fließen in die Schulentwicklungsplanung ein. Konkrete Aussagen können zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden.
Lioba Zürn-Kasztantowicz
