Zum Hauptinhalt springen
vdM

Fraktionsreport 05/2026

Die Odyssee der Grundschule am Weißen See

Fred Bordfeld

Nach acht Jahren Bauzeit und einer Verdopplung der Kosten kehrt die Grundschule am Weißen See in endlich an ihren angestammten Standort zurück. Der Umzug von der Ausweichschule war für den Zeitraum vom 19. bis 21. August 2026 vorgesehen, sodass der reguläre Unterricht am 24. August, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, wieder im sanierten Stammgebäude beginnen kann.

Die Schule wurde bereits 1931 nach mehr als zehnjähriger Bauzeit als erste weltliche Schule Weißensees im Stil der Neuen Sachlichkeit eröffnet und steht seither unter weitreichendem Denkmalschutz. Aufgrund erheblicher Mängel an Fundament, Fassade, Dach, Installationen und Innenausbau wurde die dreizügige Schule seit Oktober 2018 im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive komplett saniert – inklusive Neuinstallation der Gebäudetechnik, Sanitäranlagen und Neugestaltung der Außenanlagen. Besonderes Augenmerk galt den beiden im Gebäude liegenden Sporthallen. Langfristig soll die Kapazität auf vier Züge steigen.

Ursprünglich sollte die Sanierung 2021 abgeschlossen sein, der Umzug in die Ausweichschule war für drei Jahre geplant. Verzögerungen durch Denkmalschutzauflagen, die Corona-Pandemie und Baupausen führten jedoch dazu, dass sich das Projekt bis 2026 hinzog. Die Kosten verdoppelten sich dabei von ursprünglich rund 18,5 Millionen Euro (Stand 2017) auf inzwischen etwa 36,7 Millionen Euro.

Das Projekt beschäftigte sowohl das Abgeordnetenhaus als auch die BVV Pankow über Jahre hinweg. Bereits 2018 und 2019 stellte der Bezirksverordnete Yasser Sabek mehrere Kleine Anfragen zum Sanierungsstand, 2021 folgte eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Dennis Buchner an den Senat zum „Stand der Sanierung“. Auch danach blieb das Thema präsent: Im November 2025 protestierten Schülerinnen und Schüler öffentlich für ihre Rückkehr ins eigene Gebäude.

Zuletzt sorgte eine weitere Anfrage im AGH für Aufsehen: Sie brachte ans Licht, dass unter dem Schulstadtrat Jörn Pasternack (CDU) Bauaufträge vergeben wurden, bevor die Verwaltung das entsprechende Budget genehmigt hatte – ein Verstoß gegen das Berliner Haushaltsrecht. Rund sechs Millionen Euro Mehrkosten muss der Bezirk nun tragen; sie sollen zwischen 2029 und 2031 mit Investitionszuweisungen des Landes verrechnet werden. Zudem musste der Bezirk den Landesrechnungshof einschalten, was Pasternack der BVV monatelang verschwiegen hat.

Auch wir als Linksfraktion hatten Fragen. Über eine Kleine Anfrage (KA-1112/IX) erkundigte sich unsere Verordnete Susanne Kühne im Herbst 2025 detailliert nach der Koordination der Gewerke auf der Baustelle sowie nach den Zuständen am Ausweichstandort Falkenberger Straße – etwa nach Nutzbarkeit der Räume, Reinigungszyklen der Sanitäranlagen und der Gebäudesicherheit. Uns waren neben den Bauverzögerungen selbst auch die Lebens- und Lernbedingungen der ausgelagerten Schulgemeinschaft wichtig.

Da kurz vor der Sommerpause immer noch nicht klar war, wann mit einem Rückzug der Schulgemeinschaft zu rechnen ist und auch weitere Bauprojekte des Bezirkes einer ungewissen Zukunft entgegensteuerten, von der verschwiegenen Einschaltung des Landesrechnungshofs wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts, stellte ich eine Große Anfrage, auf die Stadtrat Pasternack in der BVV-Sitzung im Juni eine unzureichende Antwort zur Grundschule lieferte. SPD und Bündnis 90/Die Grünen reihten sich in die Kritik ein und in der Sommerpause wurde in einer Sondersitzung des Finanzausschusses Aufklärung gefordert. Leider wieder ohne befriedigendes Ergebnis.

Mit dem nun anstehenden Rückzug endet zwar die bauliche Odyssee der Schule, die politische Aufarbeitung der Verzögerungen und Mehrkosten dürfte die BVV Pankow jedoch noch länger beschäftigen – zumal am bisherigen Ausweichstandort Falkenberger Straße bereits das nächste große Bauprojekt ansteht: eine geplante Integrierte Sekundarschule.

Zurück zum Kopf der Seite