Fraktionsreport 03/2026

Systematischer Leerstand in Pankow?

BV Fred Bordfeld

Wer durch die Lottumstraße im Prenzlauer Berg spaziert, sieht ein Haus wie viele andere. Doch hinter der Fassade der Nummer 1 stehen seit Oktober 2024 sechs von acht Wohnungen leer. Kein Einzelfall – und kein Zufall.

Dahinter steht mutmaßlich die „Plutos Real Estate Investment Group AG", kurz PREIG AG. Der Wohnkonzern ist in den vergangenen Jahren aggressiv auf Einkaufstour gegangen: Allein 2023 erwarb er elf Mehrfamilienhäuser für rund 120 Millionen Euro. Das Geschäftsmodell ist immer dasselbe: Altbauten in guten Innenstadtlagen günstig kaufen, modernisieren – und zu deutlich höheren Preisen wiedervermieten oder in Eigentumswohnungen umwandeln. Dass ein Börsengang als Ziel im Raum stand, machte Mieter*innen in betroffenen Häusern berlinweit zurecht nervös.

Mit einer Kleinen Anfrage wollten wir Licht ins Dunkel bringen. Das Ergebnis ist ernüchternd, aber nicht überraschend. In der Lottumstraße 1 hat das Bezirksamt für alle sechs leerstehenden Wohnungen Leerstandsgenehmigungen nach dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz erteilt – jeweils bis zum 31. März 2026. Die Eigentümerin machte glaubhaft, dass Instandsetzungsarbeiten anstehen. Begonnen im Januar 2024, wurden sie im August desselben Jahres gestoppt. Seitdem ruhen die Bauarbeiten. Das Bezirksamt prüft, ob die Genehmigungsvoraussetzungen noch vorliegen. Ist das nicht der Fall, kann es per Wohnzuführungsgebot anordnen, die Wohnungen wieder Wohnzwecken zuzuführen – und genau das werden wir einfordern.

In der Schliemannstraße 6 steht eine Wohnung leer, bekannt seit Januar 2025. Ein Amtsverfahren wegen des Verdachts des Leerstehenlassens läuft. Zu Raumerstraße 31, Christinenstraße 1 und Maximilianstraße 46 – ebenfalls abgefragte Adressen – liegen dem Bezirksamt keine Erkenntnisse vor.

Was sich in Pankow zeigt, ist kein lokales Randphänomen. Eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus zeichnet berlinweit ein besorgniserregendes Bild der PREIG-Strategie: Leerstand, Modernisierungsankündigungen, Dachgeschossausbauten, Aufzüge und Balkone – Maßnahmen, die in der Summe auf drastische Mieterhöhungen oder Umwandlungen in teuer verkäufliche Eigentumswohnungen hinauslaufen. 

Wir werden die Verfahren weiter eng begleiten. Das Bezirksamt hat zugesagt, alle Instrumente des Zweckentfremdungsverbotsgesetzes zu nutzen. Wir werden darauf beharren – mit Nachdruck und ohne Aufschub. Leerstandsgenehmigungen dürfen kein Freibrief sein, Wohnungen dauerhaft dem Markt zu entziehen.